Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus.
Römer 12,4–5
Liebe Leserin, lieber Leser,
Die Fußball-Weltmeisterschaft hat am 11. Juni mit dem Eröffnungsspiel begonnen und wir sind immer noch mittendrin und fiebern mit den Mannschaften, die uns am Herzen liegen. Mein Fußballherz schlägt natürlich für unsere Mannschaft, aber ich freue mich besonders auf die sogenannten „kleinen Nationen“, die die Favoriten vor Probleme stellen und für vielleicht manche Überraschungen sorgen können.
„Elf Freunde müsst ihr sein“ ist ein bekannter Spruch, an den sich einige von uns sicherlich noch erinnern. Er stammt ursprünglich vom Fußball Theoretiker und Trainer Richard Girulatis, der diesen Satz im Jahr 1920 in seinem gleichnamigen Buch als Leitgedanken für den mannschaftlichen Zusammenhalt im Fußball prägte. Berühmt gemacht hat das Zitat jedoch der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger, der den Spruch während seiner Amtszeit, insbesondere vor der Weltmeisterschaft 1954, als Appell an den Teamgeist seiner Spieler nutzte.
Der Kader der Fußballnationalmannschaft besteht aber nicht nur aus elf, sondern aus 26 Spielern. Hinzu kommen noch das Trainerteam und der gesamte Staff drumherum, wie Physiotherapeuten, Ärzte, Köche, Zeugwarte usw. Das gesamte Team bildet sozusagen einen Leib, um Erfolg zu haben. Hier treffen ganz viele unterschiedliche Charaktere, Typen aufeinander, daraus soll ein Team entstehen, was allen Widrigkeiten trotzt. Jeder ist auf den anderen angewiesen, die Spielertypen sind unterschiedlich und das Trainerteam trägt die Verantwortung für die ausgewählten elf Spieler, die anfangen dürfen.
Die anderen Spieler müssen erst einmal zuschauen, sollen die Spieler aber auch von außen motivieren und anfeuern. Sicherlich möchte jeder spielen, daher ist es wichtig, dass die Spieler, die vielleicht überhaupt keinen Einsatz erhalten, nicht die beleidigte Leberwurst spielen, anfangen zu nörgeln, schlechte Stimmung verbreiten, sondern sich dem Teamgeist unterordnen. Dieser Zusammenhalt ist wichtig, um auch die kritischen Situationen gemeinsam zu bewältigen. Das eigene Ego muss zurückgestellt werden, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Das ist in jedem Mannschaftssport wichtig für das Erreichen der Ziele.
Wir alle kennen das: Wo Menschen zusammenkommen, gibt es unterschiedliche Meinungen. Das ist in der Politik so, am Küchentisch, in den Gemeinden. Wir diskutieren über Prioritäten, über Traditionen, über den richtigen Weg nach vorne.
Der Apostel Paulus nutzt dafür ein geniales Bild: Er vergleicht die Gemeinde mit einem menschlichen Körper. Ein Körper funktioniert nur, weil die Glieder unterschiedlich sind. Das Auge sieht, das Ohr hört, der Fuß geht. Wenn das Auge zum Ohr sagt: „Du musst so werden wie ich“, verliert der Körper seine Kraft.
Jeder wird gebraucht mit seinen unterschiedlichen Begabungen, Meinungen, Visionen. Keiner kann ohne den Anderen, niemand ist ein Solist. Unterschiedliche Meinungen, Begabungen, Persönlichkeiten sind wichtig, das zeigt unsere Vielfalt und ist von Gott so gewollt.
Zusammenhalt bedeutet nicht Gleichschaltung. Zusammenhalt bedeutet, dem anderen zuzuhören, auch wenn es wehtut. Es bedeutet, die Hand auszustrecken, wenn man in der Sache uneins ist. Die Christen bilden gemeinsam den „Leib Christi“. Das Haupt dieses Leibes ist Christus selbst.
Die Gemeinde ist vergleichbar mit einer Mannschaft, der Coach ist Jesus Christus. Er hat uns unterschiedliche Begabungen geschenkt. Wie kleine Puzzleteilchen passen wir zusammen, damit wir dann wie ein fertiges Puzzle, ein Gesamtbild abbilden, was unseren Herrn erfreut und uns motivieren soll. Jeder wird gebraucht, die Vielfalt ist die Voraussetzung für eine funktionierende Gemeinschaft.
„Der Herr ist gut, in dessen Dienst wir stehn, wir dürfen ihn mit Freuden Vater nennen; wenn wir nur treu auf seinen Wegen gehen, so lernen wir die ewge Liebe kennen. Dies Wort gibt uns im Kampfe Kraft und Mut: Der Herr ist gut.“(F&L 161) In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine schöne, erholsame und gesegnete Sommerzeit.
Herzliche Grüße,